Mittwoch, 28. November 

18:30 Uhr / K6

»Die Stadt ohne Juden«

phace
Dirigent Nacho de Paz

Film: »Die Stadt ohne Juden« (Regie: H.K. Breslauer, AUT 1924)
Olga Neuwirth: Musik zum Film: »Die Stadt ohne Juden« (Regie: H.K. Breslauer, AUT 1924)

»Rausch« ist das Motto von »Greatest Hits«, dem diesjährigen Festival für zeitgenössische Musik in der Elbphilharmonie und auf Kampnagel. Dass sich rauschhafte Ekstase auch in Form einer Massenbewegung manifestieren kann, zeigt der Eröffnungsabend mit der sensationellen Wiederentdeckung von Hans Karl Breslauers Stummfilm »Die Stadt ohne Juden« aus dem Jahr 1924. Er spielt im fiktiven Staat Utopia, in dem die Juden für die wirtschaftliche Misere verantwortlich gemacht werden. Breslauers Film war weltweit der erste, der den damals grassierenden Antisemitismus explizit aufgriff und in eine satirische Dystopie übersetzte.

Der alltägliche Antisemitismus verfestigt sich politisch, die jüdische Bevölkerung wird ausgewiesen. Menschen, die am Bahnhof Abschied nehmen, orthodoxe Juden, die von bewaffneten Polizisten aus der Stadt geleitet werden – mit solchen Szenen macht der Film die Brutalität der Vertreibung deutlich.

Mit der Romanvorlage hatte der Schriftsteller Hugo Bettauer einen Bestseller gelandet. Er war nicht nur einer der erfolgreichsten, sondern auch einer der umstrittensten Autoren seiner Zeit; in der politisch aufgeheizten Stimmung avancierte er zur Reizfigur für christlich-soziale, deutschnationale und nationalsozialistische Kreise – was ihn letztlich das Leben kostete. 1925 wurde er von einem jungen NSDAP-Mitglied erschossen.

Jahrzehntelang lag der Film nur als Fragment vor – bis auf einem Pariser Flohmarkt eine vollständige Kopie auftauchte. Für die nun restaurierte Gesamtfassung hat die Komponistin Olga Neuwirth eine Filmmusik für Ensemble und elektronische Zuspielung geschaffen.

Tickets €9

Veranstaltungsdetails

Video: Tempo Reale – Symphony Device

Video: Tempo Reale – Symphony Device

Tempo Reale »Symphony Device«

Tempo Reale »Symphony Device« © Andrea Avezzu

Tempo Reale »Symphony Device«

Tempo Reale »Symphony Device« © Andrea Avezzu

Tempo Reale

Tempo Reale »Symphony Device« © Andrea Avezzu

20 Uhr / K6

Eröffnungskonzert

Klangforum Wien
Vera Fischer Flöte
Olivier Vivarès Klarinette
Peter Böhm Klangregie
Markus Urban Klangregie
Dirigent Peter Eötvös

Peter Eötvös: Shadows
Peter Eötvös: Sonata per sei
***
Peter Eötvös: Chinese Opera

»Ich schreibe für das Publikum, nicht für die Schublade«, sagt der ungarische Komponist Peter Eötvös über sich und seine Musik. Und das hört man – im allerbesten Sinne. Denn seine Werke sind so eingängig wie klangsinnlich und sorgen auch außerhalb der Neue-Musik-Szene für Begeisterung. Etwa in Hamburg, wo seine Opern »Tri Sestri« (2000), »Angels In America« (2005) und »Senza sangue« (2016) an der Staatsoper gefeiert wurden.

Obwohl Eötvös einst mit berühmten Kollegen wie Stockhausen und Boulez zusammenarbeitete, hat er sich nie einer musikalischen Schule oder Strömung angeschlossen, sondern setzt auf eine individuelle, authentische Klangsprache. Den direkten Zugang zum Publikum sucht und findet er auch als Dirigent, weshalb er bei seinem großen Portraitkonzert zur Eröffnung von Greatest Hits selbst ans Pult tritt. Zusammen mit den renommierten Spezialisten vom Klangforum Wien bringt er gleich drei eigene Werke zur Aufführung. Im Zentrum steht das Orchesterstück »Chinese Opera« von 1986 das durch seine Klangfarben quasi zu einer »Oper zum sehenden Hören« (Peter Szendy) wird.

Gefördert durch die Ernst von Siemens Musikstiftung

Tickets €25

Veranstaltungsdetails

Peter Eötvös
Der aus Ungarn stammende Komponist, Dirigent und Professor ist einer der gefragtesten Interpreten und Kenner der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts. Er wurde 1944 in Transsylvanien geboren und erhielt sein Kompositionsdiplom an der Budapester Musikakademie und sein Dirigentendiplom an der Musikhochschule Köln. Seine Kompositionen werden weltweit von renommierten Klangkörpern und Opernhäusern aufgeführt. Seinen großen Opernerfolg mit »Drei Schwestern« konnte er mit »Le Balcon«, »Angels in America«, »Love and Other Demons«, »Lady Sarashina« und mit »Tragödie des Teufels« fortsetzen. Zwischen 1968 und 1976 war Eötvös Mitglied des Stockhausen Ensembles. 1978, einer Einladung Pierre Boulez’ folgend, dirigierte er das Eröffnungskonzert des IRCAM in Paris, und wurde zum Musikdirektor des Ensemble Intercontemporain ernannt, einen Posten, den er bis 1991 beibehielt. In der Saison 2017/18 ist er Residenzkünstler der Elbphilharmonie.

Klangforum Wien
24 Musikerinnen und Musiker aus zehn Ländern verkörpern im Klangforum Wien eine künstlerische Idee und eine persönliche Haltung, die ihrer Kunst zurückgeben, was ihr im Verlauf des 20. Jahrhunderts allmählich und fast unbemerkt verloren gegangen ist: einen Platz in ihrer eigenen Zeit, in der Gegenwart und in der Mitte der Gemeinschaft, für die sie komponiert wird und von der sie gehört werden will. Seit seinem ersten Konzert 1985 unter Leitung seines Gründers Beat Furrer hat das Klangforum Wien unversehens ein Kapitel Musikgeschichte geschrieben. Mehr als 500 Werke von Komponisten aus drei Kontinenten hat es uraufgeführt. Das Klangforum Wien könnte auf eine Diskografie von mehr als 70 CDs, auf eine Reihe von Preisen und Auszeichnungen und auf 2000 Auftritte in den erstklassigen Konzert- und Opernhäusern Europas, Amerikas und Japans, bei den großen Festivals ebenso wie bei jungen engagierten Initiativen zurückblicken – wenn das Zurückblicken denn seine Sache wäre.

Peter Eötvös

Peter Eötvös © Marco Borggreve

Klangforum Wien

Klangforum Wien © Claudia Prieler

22:30 Uhr / P1

Symphony Device

Tempo Reale Live-Elektronik
Konzept, Regie Francesco Canavese
Konzept, Regie Francesco Casciaro
Konzept, Regie Francesco Giomi
Konzept, Regie Damiano Meacci
Leonardo Rubboli Technische Zusammenarbeit
Francesco Perissi Technische Zusammenarbeit

Tempo Reale: Symphony Device / Sound Theatre for Machines

Zum Abschluss des ersten Tages erklingt nochmal »Symphony Device«: In dem als »Klangtheater« bezeichneten Projekt führen die Elektrokünstler des einst von Luciano Berio in Florenz gegründeten Musikzentrums Tempo Reale eine moderne und äußerst spezielle Sinfonie auf. Denn statt eines klassischen Orchesters kommen auf der Bühne diverse technische Apparate zum Einsatz – darunter ein Drucker, ein Oldschool-Telefon mit Wählscheibe und Scanner.

Tickets €9

Veranstaltungsdetails

Video: Tempo Reale – Symphony Device

Video: Tempo Reale – Symphony Device

Tempo Reale »Symphony Device«

Tempo Reale »Symphony Device« © Andrea Avezzu

Tempo Reale »Symphony Device«

Tempo Reale »Symphony Device« © Andrea Avezzu

Tempo Reale

Tempo Reale »Symphony Device« © Andrea Avezzu

.