Donnerstag, 2. November 

18:30 Uhr / K4

Tempus ex machina

Elbtonal Percussion

Gérard Grisey: Tempus ex machina
Jan-Frederick Behrend: Afrock
Casey Cangelosi: Bad touch (Sönke Schreiber)
J.S. Bach: Allemande aus der Suite Nr. 5 c-moll BWV 1011 für Cello, Marimba solo (Jan-Frederick Behrend)
J.S. Bach / Elbtonal: Präludium c-Moll, BWV 999
Thierry De Mey: Musiques de Tables
Radiohead / Jan-Frederick Behrend: Daydreaming

Rhythmisch beginnt der zweite Festival-Tag: Tempus ex machina ist eine Studie über den Aufbau und Zerfall von Rhythmen. Im Werk des französischen Komponisten Gérard Grisey werden wie aus dem Nichts kommend verschiedene Tempi übereinander gelegt, Patterns werden zu Trillern bis das Ohr sie schließlich nur noch als Fläche wahrnimmt. Die Schlagwerker des Hamburger Ensemble ElbtonalPercussion runden den Abend mit weiteren Werken von Grisey ab.

Tickets €9

Veranstaltungsdetails

Gérard Grisey
»Nicht mehr mit Noten, sondern mit Tönen« arbeite er, sagte der französische Komponist Gérard Grisey. In den 1970er-Jahren erforschte er an seinem Computer das Innenleben der Töne, machte die darin enthaltenen Obertöne hörbar, nutzte sie für seine Kompositionen und schuf eine völlig neue Stilrichtung: die Spektralmusik. Griseys Schaffen ist geprägt von den großen Komponisten seiner Zeit: Er nahm Unterrricht bei Henri Dutilleux und Olivier Messiaen. Später nahm er an den Seminaren von György Ligeti, Karlheinz Stockhausen und Iannis Xenakis während der Darmstädter Ferienkurse teil.

Elbtonal Percussion
Die vier treffsicheren Schlagwerker aus Hamburg beherrschen den kreativen Crossover aus Klassik, Jazz und Weltmusik wie kaum eine andere Formation hierzulande. Mit ihrem beeindruckenden Instrumentarium aus Trommeln, Becken und Gongs aus aller Welt, Marimba- und Vibraphonen begeistert Elbtonal Percussion durch mitreißende Dynamik und stilistische Vielfalt. Elbtonal Percussion tourt seit 1996 durch die Länder, gab über 1000 Konzerte und wurde auf zahlreiche, renommierte Festivals eingeladen. Konzertreisen führten das Quartett durch ganz Europa und wiederholt nach Asien, u.a. zum größten Percussion-Festival Chinas in das Nationaltheater Peking und nach Shanghai, wo sie auf der Expo 2010 die Stadt Hamburg als Kulturbotschafter repräsentierten.

Elbtonal Percussion

Elbtonal Percussion © 2VISTA

Gérard Grisey

Gérard Grisey © Guy Vivien

20 Uhr / K2

Harry Partch

Ensemble Musikfabrik

Harry Partch: Ring around the Moon – A Dance Fantasm for Here and Now
Simon Steen-Andersen: Korpus
Helge Sten: Sow your Gold in the White Foliated Earth
***
Phillip Sollmann: Monophonie

Harry Partch, amerikanischer Komponist und Erfinder, versuchte um die Mitte des 20. Jahrhunderts als einer der ersten, die Musik aus ihrem traditionellen Zwölftonsystem zu lösen. Er interessierte sich für die Zwischentöne, um etwa die Melodie einer Sprechstimme auf Instrumenten wiedergeben zu können. Ab 1923 entwickelte er ein System mit 43 Tonschritten pro Oktave statt der konventionellen 12 und baute auch gleich die passenden Instrumente, um seine mikrotonalen Werke aufzuführen.

Das Kölner Ensemble Musikfabrik wandelt nun mithilfe originalgetreuer Nachbauten der legendären Partch-Instrumente auf den Spuren des Komponisten – und bringt seine Musik in die Gegenwart. Neben einer Originalkomposition von Harry Partch präsentiert das Ensemble brandneue Werke in dessen Geiste. Beigesteuert haben sie der dänische Installationskünstler und Komponist Simon Steen-Andersen, der schwedische Pop-Musiker Helge Sten und der Berliner DJ und Techno-Produzent Phillip Sollmann.

Dieses Programm wurde im Rahmen von Campus Musikfabrik durch die Kunststiftung NRW gefördert. Phillip Sollmanns Monophonie wurde gefördert mit Mitteln des Hauptstadtkulturfonds Berlin und ist eine Koproduktion mit der Ruhrtriennale – Festival der Künste.

Tickets €25

Veranstaltungsdetails

Phillip Sollmann
Seine Karriere als DJ hat Sollmann in Hamburg begonnen, dort entwickelte sich in den späten Neunzigerjahren im Umfeld des Plattenlabels Dial ein gleichermaßen verspielter wie ästhetischer Autoren-Techno. Auf Dial erschienen dann ab 2000 auch die EPs und Alben von Sollmann und mit dem »Efdemin« betitelten Werk aus dem Jahr 2007 wurde er einer breiteren Öffentlichkeit bekannt: In aufsehenerregender Weise mischte er hier analoge und elektronische Sounds, Glockengeläut und Naturgeräusche. 2005 zog er nach Berlin und wurde im damals gerade eröffneten Technoklub Berghain zum Resident DJ. Doch beschallte er nicht nur in fünf- bis achtstündigen Sets die langen Tanznächte in der Panorama Bar. In den »Elektroakustischen Salons«, die regelmäßig im großen Saal des Berghain stattfanden, mixte er Minimal Music mit belgischem Postpunk, Field Recordings mit Alvin-Lucier-Kompositionen, abstrakten Techno mit elektroakustischer Musik.

Ensemble Musikfabrik
Das Ensemble Musikfabrik nimmt seinen Namen sehr wörtlich: Neue, unbekannte, in ihrer medialen Form ungewöhnliche und oft erst eigens in Auftrag gegebene Werke sind sein vorrangiges Produktionsfeld. Dabei fühlt es sich besonders der künstlerischen Innovation verpflichtet. Seit seiner Gründung 1990 zählt das in Köln beheimatete Ensemble Musikfabrik zu den führenden Klangkörpern der zeitgenössischen Musik. Die Auseinandersetzung mit modernen Kommunikationsformen und experimentellen Ausdrucksmöglichkeiten im Musik- und Performance-Bereich ist ihnen ein zentrales Anliegen. Interdisziplinäre Projekte mit Live-Elektronik, Tanz, Theater, Film, Literatur und bildender Kunst gehören ebenso zum Programm wie Gesprächskonzerte und das Experimentieren mit Konzertformaten, die das Publikum stärker integrieren. Die Gästeliste des Ensembles ist so lang wie prominent besetzt: Sie reicht von Mark Andre und Stefan Asbury über Sir Harrison Birtwistle, Unsuk Chin, Péter Eötvös, Brian Ferneyhough, Mauricio Kagel und Helmut Lachenmann bis zu Mouse on Mars, Carlus Padrissa (La Fura dels Baus), Emilio Pomàrico, Enno Poppe, Wolfgang Rihm und Sasha Waltz.

Harry Partch

Harry Partch © Klaus Rudolph

Phillip Sollmann

Phillip Sollmann © Yasmina Haddad

Ensemble Musikfabrik

Ensemble Musikfabrik © Jonas Werner-Hohensee

Simon Steen-Andersen

Simon Steen-Andersen

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