Samstag, 4. November 

18:30 Uhr / Elbphilharmonie Kleiner Saal

Ensemble Resonanz

Dirigent Emilio Pomàrico

Sciacinto Scelsi: Ohio / Les principes créatifs
Pierluigi Billone: Verticale Muto
Gérard Grisey: Talea

Zum Auftakt des Finalabends trifft das Ensemble Resonanz auf den abenteuerlustigen Dirigenten Emilio Pomàrico, die schon beim Eröffnungskonzert des Kleinen Saals der Elbphilharmonie im Januar gemeinsame Sache machten. Nun präsentieren sie ein Programm rund um eins der späten Kammermusikwerke des französischen Komponisten Gérard Grisey, der in diesem Jahr im Fokus des Festivals steht.

Tickets € 18

Veranstaltungsdetails

Emilio Pomárico (*1954)
Der Dirigent und Komponist Emilio Pomàrico wurde als Sohn italienischer Eltern in Buenos Aires geboren. 1982 debütierte er als Dirigent mit einer erfolgreichen Konzertserie in Italien und Südamerika. Seither arbeitete er mit den wichtigsten italienischen Orchestern in Rom, Mailand, Turin und Bozen sowie mit Theaterorchestern wie dem Orchester der Mailänder Scala. Als Operndirigent stellte sich Emilio Pomàrico bei der Münchener Biennale, dem Teatro La Fenice in Venedig und dem Teatro Nacional de São Carlos in Lissabon vor. Zeitgenössische Musik bildet einen wichtigen Schwerpunkt seiner Tätigkeit. So arbeitet er als Dirigent und Komponist regelmäßig mit dem Ensemble Modern, dem Klangforum Wien und dem ensemble recherche zusammen und wurde zu Festivals wie Wien Modern oder den Donaueschinger Musiktagen eingeladen.

Ensemble Resonanz
Mit seiner einzigartigen Programmatik, Spielfreude und künstlerischen Qualität zählt das Ensemble Resonanz zu den führenden Kammerorchestern weltweit. In innovativen Programmen spannen die Musiker den Bogen von der Tradition zur Gegenwart. Die alte wie die zeitgenössische Musik gleichermaßen lebendig zu präsentieren, ist dabei Leitgedanke und Motor. Neben namhaften Solisten und Dirigenten arbeiten auch zahlreiche Komponisten wie Enno Poppe, Beat Furrer, Rebecca Saunders, Georg Friedrich Haas, Isabelle Mundry oder Georges Aperghis eng mit dem Ensemble zusammen. In Hamburg hat das Musikerkollektiv als Ensemble in Residence der Laeiszhalle mit großem Erfolg die Konzertreihe »Resonanzen« etabliert, die als Katalysator des Musiklebens Furore macht. In der Elbphilharmonie wird diese Residenz fortgeführt, während die Heimat des Ensemble Resonanz mitten auf St. Pauli, im resonanzraum im Bunker, bleibt. Innovative Musikvermittlungsprojekte und alternative Konzertformen wie die »Ankerangebote« und die Konzertreihe »urban string« sorgen für direkten Dialog mit dem Publikum und weisen den Weg in die Zukunft.

Emilio Pomárico

Emilio Pomárico © Astrid Ackermann

Ensemble Resonanz

Ensemble Resonanz © Tobias Schult

20 Uhr / Elbphilharmonie Großer Saal

Les espaces acoustiques

NDR Elbphilharmonie Orchester
Ensemble Musikfabrik
Dirigent Stefan Asbury

Im Jahr 2005 legte der britische Dirigent Stefan Asbury eine Einspielung von Gérard Griseys »Les espaces acoustiques« vor, die heute als absolute Referenzaufnahme gilt. In den sechs Stücken dieses Zyklus erkundete Grisey verschiedene »akustische Räume«: Elementare Vorgänge der Psychoakustik wie Regelmäßigkeit und Unregelmäßigkeit, Spannung und Entspannung, Obertöne und harmonische Spektren nutzte der Komponist, um daraus die Form, den Klang und den Rhythmus seiner Musik zu entwickeln. Was in der Beschreibung technisch klingt, ermöglicht in Wirklichkeit einzigartige Hörerfahrungen. Denn jenseits aller technischen Verfahren ging es Grisey in der Musik, wie er schrieb, stets um »die Dialektik von Rausch und Form«.

Über elf Jahre hinweg, von 1974 bis 1985, arbeitete der Komponist an seinem Zyklus. Erfahrungen, die er in den Studios für elektronische Musik gesammelt hatte, übertrug er auf die Instrumentalmusik und wurde so zum Mitbegründer der Klangfarbenkunst des »Spektralismus«.

Und doch mündet diese Musik, die sich mit wissenschaftlicher Methodik dem Phänomen Klang nähert, immer wieder in ergreifend schlichte Momente. Hier wird der »Klang zum Wesen, durchtränkt von organischem Leben, belebt von einem inneren Atem« (Grisey). So steht am Ende des fünften Stückes eine Melodie, die der Komponist selbst in aller Unschuld als »Wiegenlied« bezeichnete.

Tickets ab € 12

Veranstaltungsdetails

Stefan Asbury (*1966)
Der englische Dirigent Stefan Asbury studierte in Oxford sowie am Royal College of Music in London. Mit dem Leonard Bernstein Stipendium konnte er seine Ausbildung am Tanglewood Music Center in den USA fortsetzen. Dort wurde er 1995 als Dozent verpflichtet und von 1999 bis 2005 mit der Leitung des Bereichs »Neue Musik« betraut, parallel leitete er für fünf Jahre das portugiesische Remix Ensemble für zeitgenössische Musik. Seit 2011 ist er Chefdirigent des Noord Nederlands Orkest in Groningen.
Stefan Asbury gilt als einer der führenden Dirigenten für zeitgenössische Musik und arbeitet regelmäßig mit den großen deutschen Rundfunkorchestern von NDR, WDR, HR, SWR und BR sowie mit dem RSO Wien. Regelmäßig dirigiert er die namhaften Spezialensembles für Neue Musik: Ensemble Modern, Klangforum Wien, musikFabrik, Ensemble Intercontemporain und London Sinfonietta. Eine enge Zusammenarbeit verbindet Asbury mit Komponisten wie Oliver Knussen, Steve Reich, Wolfgang Rihm, Unsuk Chin, Mark Anthony Turnage und Harrison Birtwistle.

NDR Elbphilharmonie Orchester
Gegründet wurde das NDR Elbphilharmonie Orchester im Jahr 1945 als Orchester des NWDR. Seine Gründung stand im Zeichen des geistigen und kulturellen Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg. Als erster Chefdirigent prägte Hans Schmidt-Isserstedt über ein Vierteljahrhundert lang das künstlerische Profil des Orchesters; später erreichte die 20-jährige intensive Zusammenarbeit mit Günter Wand eine ähnliche Bedeutung wie diese Ära. Wand, seit 1982 Chefdirigent und seit 1987 Ehrendirigent auf Lebenszeit, festigte das internationale Renommee des Orchesters. Insbesondere seine Maßstab setzenden Interpretationen der Sinfonien von Johannes Brahms und Anton Bruckner wurden dabei zur künstlerischen Visitenkarte des Ensembles. 1998 wurde Christoph Eschenbach in die Position des Chefdirigenten berufen, 2004 setzte Christoph von Dohnányi die Reihe namhafter Chefdirigenten fort. Seit 2011 verantwortet in dieser Position Thomas Hengelbrock die Fortschreibung der Geschichte des Orchesters. Er wird dessen Profil als eines der führenden Konzertorchester des 21. Jahrhunderts weiter ausbauen. Als Erster Gastdirigent steht ihm seit 2016 Krzysztof Urbański zur Seite.

Ensemble Musikfabrik
Das Ensemble Musikfabrik nimmt seinen Namen sehr wörtlich: Neue, unbekannte, in ihrer medialen Form ungewöhnliche und oft erst eigens in Auftrag gegebene Werke sind sein vorrangiges Produktionsfeld. Dabei fühlt es sich besonders der künstlerischen Innovation verpflichtet. Seit seiner Gründung 1990 zählt das in Köln beheimatete Ensemble Musikfabrik zu den führenden Klangkörpern der zeitgenössischen Musik. Die Auseinandersetzung mit modernen Kommunikationsformen und experimentellen Ausdrucksmöglichkeiten im Musik- und Performance-Bereich ist ihnen ein zentrales Anliegen. Interdisziplinäre Projekte mit Live-Elektronik, Tanz, Theater, Film, Literatur und bildender Kunst gehören ebenso zum Programm wie Gesprächskonzerte und das Experimentieren mit Konzertformaten, die das Publikum stärker integrieren. Die Gästeliste des Ensembles ist so lang wie prominent besetzt: Sie reicht von Mark Andre und Stefan Asbury über Sir Harrison Birtwistle, Unsuk Chin, Péter Eötvös, Brian Ferneyhough, Mauricio Kagel und Helmut Lachenmann bis zu Mouse on Mars, Carlus Padrissa (La Fura dels Baus), Emilio Pomàrico, Enno Poppe, Wolfgang Rihm und Sasha Waltz.

Stefan Asbury

Stefan Asbury © Eric Richmond

NDR Elbphilharmonie Orchester

NDR Elbphilharmonie Orchester © Marcus Höhn

Ensemble Musikfabrik

Ensemble Musikfabrik © Jonas Werner-Hohensee

22:30 Uhr / Elbphilharmonie Kleiner Saal

Quatre Chants

ensemble aisthesis
Sophia Burgos Sopran
Dirigent Walter Nußbaum

Gérard Grisey: Quatre chants pour franchir le seuil

Zum Abschluss erklingen die »Quatre chants pour franchir le seuil«. Dieses letzte Werk Griseys ist gleichzeitig eines seiner wichtigsten. Die vier Gesänge behandeln das Thema des Sterbens aus der Sicht verschiedener Zivilisationen und reflektieren die Unabwendbarkeit des Todes. Grisey vertont etwa Inschriften von ägyptischen Sarkophagen oder Zeilen aus altgriechischen Gedichten. Am Ende erklingt ein zartes Wiegenlied, laut Grisey »nicht für das Einschlafen gedacht, sondern für das Erwachen einer Menschheit, die endlich von ihrem Albtraum befreit ist«.

Tickets € 15

Veranstaltungsdetails

ensemble aisthesis
Das ensemble aisthesis (griechisch: Wahrnehmung; mit den Sinnen verstehen) hat sich auf die Musik des 20. und 21. Jahrhunderts spezialisiert. Die Instrumentalisten des Ensembles erarbeiten unter der Leitung von Walter Nußbaum Klassiker der Moderne, wie Werke von Schönberg, Webern, Boulez, Stockhausen und Cage, aber auch exemplarische Werke der Romantik (etwa von Wagner oder Mahler) und Uraufführungen von Auftragswerken – immer in direkter Zusammenarbeit mit den Komponisten. Mit seinem umfangreichen Repertoire für bis zu 20 Musiker konzertiert das ensemble aisthesis nicht nur regelmäßig in Heidelberg, sondern ist auch zu Gast bei Festivals wie musicaviva in München, dem Tongyeong Festival in Südkorea, den Kasseler Musiktagen und dem Basler Musikforum.

Sophia Burgos
Die puertoricanisch-amerikanische Sopranistin Sophia Burgos ist eine passionierte Interpretin von Vokalwerken unterschiedlicher Gattungen – vom Konzertrepertoire über Kammermusik bis hin zu zeitgenössischer Oper. 2018 wird sie mit dem BBC Symphony Orchestra Leonard Bernsteins selten gespieltes »Songfest« zur Aufführung bringen. In der Spielzeit 2015/16 gab Sophia Burgos ihr Operndebüt in Europa: In der Titelrolle von François Paris’ »Maria Republica« an der Oper Angers-Nantes wurde sie vom Publikum gefeiert. Darüber hinaus wurde die Produktion mit dem Kritikerpreis »Meilleure Création Musicale« ausgezeichnet. Sophia Burgos studierte an der Eastman School of Music in New York, wo sie Werke wie Steve Reichs Tehilim zur Aufführung brachte. Ihren Master-Abschluss legte sie am renommierten Bard College ab.

Walter Nußbaum
Walter Nußbaum studierte Kirchenmusik und Dirigieren in Heidelberg und Trossingen, war bis 1992 Kirchenmusiker an der Johanneskirche Heidelberg und lehrte danach bis 2015 Chorleitung und Dirigieren an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover. Er gründete 1992 die SCHOLA HEIDELBERG und das ensemble aisthesis.
Seine Schwerpunkte umfassen das Repertoire von der frühen Vokalmusik bis zu Vokal- und Instrumentalwerken von zeitgenössischen Komponisten. Durch Programme, die den Hörer von der Musik vergangener Epochen zur Musik der Gegenwart und wieder zurückführen, macht er Zusammenhänge in der Musik erlebbar. Seine Dirigate führten ihn u.a. zur Biennale Venedig, den Luzerner Festspielen, der Salzburg Biennale, Musica viva München und zum Tongyeong Festival.

ensemble aisthesis

ensemble aisthesis © Klangforum Heidelberg

Sophia Burgos

Sophia Burgos © Kate Lemmon Photography

Walter Nußbaum

Walter Nußbaum © Thilo Ross

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